Bären, Adler, Buckelwale – drei Wochen British Columbia
Juli 2025, knapp drei Wochen, rund 2.900 Kilometer: einmal im Bogen durch British Columbia — von Vancouver über Whistler und das Cariboo-Hochland nach Norden bis Prince Rupert, mit der Fähre durch die Inside Passage und über Vancouver Island zurück. Unterwegs: Grizzlys, fischende Weißkopfseeadler, springende Buckelwale — und zwei Kamerasysteme, die sich die Arbeit geteilt haben.
Die Route: einmal quer durch BC und zurück
Die Tour begann klassisch: zwei Tage Vancouver (Stanley Park, Capilano, Gastown), dann der Sea-to-Sky Highway nach Whistler mit Murmeltieren und Streifenhörnchen über der Baumgrenze. Weiter ging es über Lillooet in die trockene Weite des Cariboo-Hochlands und in zwei Tagesetappen nach Norden — nach Hazelton am Skeena River, wo die Totempfähle und Langhäuser von ʼKsan stehen und Fischadler über dem Bulkley-Canyon kreisen. Endpunkt der Landetappe: Prince Rupert an der Nordküste, Ausgangspunkt für die Bootstour ins Khutzeymateen-Tal. Zurück ging es mit der Fähre durch die Inside Passage nach Port Hardy und in einer Woche über Vancouver Island — Telegraph Cove, Campbell River, die Urwald-Zedern bei Sayward, zuletzt Victoria.
Khutzeymateen: Grizzlys auf Augenhöhe (fast)
Das Khutzeymateen-Tal nördlich von Prince Rupert ist Kanadas erstes Grizzly-Schutzgebiet — kein Straßenzugang, Zutritt nur per Boot und nur mit Genehmigung. Die Bären weiden dort im Juli wie Kühe im Seggengras der Gezeitenwiesen, und genau so sahen wir sie: eine Mutter mit zwei Jungen am Ufer, einen jungen Bären, der sich im hohen Gras aufrichtete, um das Boot zu mustern. Fotografiert wird vom Wasser aus, mit laufendem Motor und Respektabstand — Brennweite ersetzt Nähe.
Der Fjord selbst ist eine zweite Fotoreise wert: Steilwände, Schneereste im Juli, spiegelglattes Wasser. Für diese Bilder blieb die lange Linse in der Tasche — hier übernahm die Leica.
Weißkopfseeadler: der Griff ins Wasser
Auf derselben Tour tauchten die Weißkopfseeadler auf — erst als weiße Punkte in den Sitka-Fichten, dann im Anflug aufs Wasser. Der Griff nach dem Fisch dauert keine Sekunde: anfliegen, Fänge nach vorn, Wasserberührung, weg. Wer da erst den Auslöser sucht, hat das Bild nicht. Das Rezept ist dasselbe wie bei den Seeadlern auf Smøla: kurze Zeit vorwählen, Serie laufen lassen, den Vogel früh im Sucher aufnehmen und durchziehen.
Discovery Passage: Buckelwale und Orcas
Die zweite Bootstour startete eine Woche später in Campbell River auf Vancouver Island. Die Gewässer zwischen Insel und Festland — Discovery Passage und Johnstone Strait — gehören im Sommer zu den besten Walrevieren der Welt: Erst zogen Buckelwale mit ruhigen, tiefen Atemzügen ihre Bahnen und zeigten beim Abtauchen die Fluke, dann kreuzte eine Orca-Familie unseren Kurs. Und am letzten Abend der Tour begann ein einzelner Buckelwal zu springen — nicht einmal, sondern wieder und wieder, keine 300 Meter vom Boot.
Beim Breaching gibt es keine Vorwarnung, nur eine Faustregel: Wo der Wal einmal gesprungen ist, springt er oft wieder. Also Kamera oben lassen, 1/4000 s stehen lassen und die ISO-Automatik arbeiten lassen — die Serie vom Titelbild entstand genau so, freihand mit 800 mm vom schaukelnden Boot. Die Bildstabilisierung des RF 200-800 macht das überhaupt erst möglich.
Zugabe am Straßenrand: der Schwarzbär
Die vielleicht entspannteste Bärenbegegnung der Reise war gar nicht geplant: Auf der Küstenstraße nördlich von Campbell River graste ein Schwarzbär in aller Ruhe die Uferböschung ab — Beeren, Gräser, zwischendurch ein prüfender Blick. Vom Auto aus, Motor an, Fenster runter, fertig. Hier zahlte sich das zweite, leichtere Tele aus, das für solche Momente griffbereit auf dem Beifahrersitz lag.
Die Technik: zwei Systeme, klare Rollen
Bewährt hat sich die strikte Arbeitsteilung. Die Canon EOS R5 Mark II mit dem RF 200-800 mm war das Tier-Werkzeug: 45 Megapixel zum Croppen, Augen-AF, der auch bei Adlern und Bären zuverlässig greift, und 30 Bilder pro Sekunde für Breaching und Fischgriff. Dazu das RF 100-500 mm als leichtere Alternative fürs Auto und für Wanderungen. Faustregeln, die sich eingespielt haben: für Action 1/3200 s bis 1/4000 s vorwählen, Blende offen lassen (f/9 ist beim 200-800 am langen Ende ohnehin gesetzt) und die ISO der Automatik überlassen — zwischen ISO 800 in der Sonne und ISO 6400 im Uferschatten war auf dieser Reise alles dabei.
Daneben die Leica M11-P mit 35er Summilux, 50er Apo-Summicron, 90er Macro-Elmar und dem 16-18-21er Tri-Elmar für Landschaft, Städte und die ruhigen Momente — 60 Megapixel bei ISO 64, wenn es die Zeit erlaubt, bewusst zu fotografieren. Zwei Systeme heißt auch: keine Objektivwechsel im Gischtbereich, jede Kamera behält ihren Job.
Und die Speicherkarten? Eine dreiwöchige Reise mit Serienbild-Tagen produziert Tausende Dateien. Die Abende liefen deshalb immer gleich: Karte in den Mac, in RAWFetcher nur die neuen Bilder des Tages sichten, Schärfe prüfen, die Keeper nach Datum wegsichern — die 376 Bilder, aus denen dieser Beitrag schöpft, sind genau das Ergebnis dieser Abendroutine.
Mehr Praxisberichte
Wie aus 16.000 Kolibri-Serienbildern eine Auswahl wurde und wie der Schärfe-Score bei Seeadlern die Treffer findet — im Blog.