Blog · Reisebericht

Ein Luchs und tausend Bienenfresser – Frühling in Doñana

April 2022, Andalusien: Der Nationalpark Doñana zwischen Sevilla und dem Atlantik ist Europas berühmtestes Feuchtgebiet — und die letzte Hochburg des Iberischen Luchses. Vier Tage zwischen Marismas, Dünen und Pinienwäldern, mit Bienenfressern in Balzlaune und einer Begegnung, auf die niemand zu hoffen wagt.

Iberischer Luchs mit Pinselohren steht in einer blühenden Wiese, Doñana
Die Begegnung der Reise: Iberischer Luchs in der Blumenwiese — Canon EOS R5, RF 800 mm f/11, 1/400 s, ISO 1000.

Der unwahrscheinlichste Moment zuerst

Um die Jahrtausendwende gab es weltweit noch keine 100 Iberischen Luchse; heute sind es dank eines beispiellosen Schutzprogramms wieder über tausend, und Doñana ist eines ihrer Kerngebiete. Trotzdem plant man eine Sichtung nicht — sie passiert. Bei uns passierte sie am Rand einer Sandpiste: ein Luchs, der gemächlich durch die blühende Wiese zog, kurz innehielt, uns die Pinselohren zeigte und wieder im Gebüsch verschwand. Keine zwei Minuten, einmal im Leben.

Balzsaison bei den Bienenfressern

Der verlässliche Star des Doñana-Frühlings ist ein anderer: Mitte April kommen die Bienenfresser aus Afrika zurück und beziehen ihre Brutkolonien in den Sandböschungen. Dann sitzen die Paare auf Stacheldraht und Sandhügeln, übergeben einander Insekten als Brautgeschenk und graben an den Bruthöhlen — Farbfotografie im Wortsinn, und so gesättigt, dass man dem RAW später nichts mehr hinzufügen muss.

Bienenfresser sitzt farbenprächtig auf einem Stacheldraht, Doñana
Wartender Bienenfresser am Kolonierand — 800 mm, 1/400 s, f/11, ISO 250.
Bienenfresser-Paar sitzt zwischen Frühlingsblumen am Boden, Doñana
Paar an der Bruthöhle zwischen den Blumen — 800 mm, 1/1600 s, ISO 1000.

Marismas: Löffler, Sichler, Blauelstern

In den Marismas — den Überschwemmungsflächen des Guadalquivir — reiht sich derweil ein Schreitvogel an den nächsten: Löffler mähen mit ihren Schnäbeln durchs Flachwasser, Braune Sichler schimmern metallisch im Schilf, dazwischen Purpurhühner, Stelzenläufer, Purpurreiher. Und an den Picknickplätzen unter den Pinien wartet mit der Blauelster noch eine iberische Spezialität, die es sonst nirgends in Europa gibt.

Zwei Löffler suchen nebeneinander im Flachwasser nach Nahrung, Doñana
Synchronmähen im Flachwasser: Löffler — 800 mm, 1/800 s, ISO 400.
Brauner Sichler mit metallisch schimmerndem Gefieder im Grabenwasser, Doñana
Metallglanz im Graben: Brauner Sichler — 500 mm, 1/800 s, ISO 400.
Blauelster mit schwarzem Kopf und blauen Schwingen am Wasserrand, Doñana
Iberien-Endemit an der Tränke: Blauelster — 800 mm, 1/1000 s, ISO 10000. Im Pinienschatten hilft nur die ISO.
Wiedehopf mit erbeutetem Engerling im Schnabel auf sandigem Boden, Doñana
Wiedehopf mit Beute im Dünensand — 800 mm, 1/800 s, ISO 500.

Die Technik: das leichteste 800er der Welt

Doñana 2022 war die Reise des RF 800 mm f/11 an der Canon EOS R5: ein Kilo Festbrennweite, die den ganzen Tag in der Hand liegt und deren feste Blende im andalusischen Licht kaum je stört — vom Bienenfresser bis zum Luchs entstand fast alles damit. Die feste f/11 heißt nur: auf die ISO achten. In der Sonne bleibt sie dreistellig, im Pinienschatten wird sie fünfstellig, und beides ist mit modernem Entrauschen kein Problem mehr. Als flexibler Zweitmann das RF 100-500 mm. Und die Karten? Wurden abends gesichtet, wie immer — heute übernimmt das RAWFetcher direkt beim Einstecken.

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