Papageitaucher auf Runde – Norwegens Vogelinsel
Ende Mai 2024, vier Tage auf Runde: Die kleine Insel an der norwegischen Westküste beherbergt einen der größten Vogelfelsen Skandinaviens — eine halbe Million Seevögel, darunter Zehntausende Papageitaucher. Wer abends zum Brutfelsen aufsteigt, sitzt irgendwann mitten in der Kolonie. Ein Reisebericht über Vögel, die keine Scheu kennen, und die Technik, die dazu passt.
Abends um zehn beginnt die beste Zeit
Papageitaucher verbringen den Tag auf See. Erst am späten Abend kehren sie zu Tausenden an die Grasklippen von Runde zurück — und weil Ende Mai die Sonne kaum noch untergeht, fällt ihr Heimkommen mitten ins schönste Licht. Der Aufstieg zum Brutfelsen dauert eine gute Stunde; oben angekommen setzt man sich ins Gras, wartet, und nach zwanzig Minuten landen die ersten zwei Meter neben einem. Scheu ist hier keine Kategorie: Wer ruhig bleibt, wird Teil der Kulisse.
Die Spannweite der Brennweiten sagt eigentlich alles über diesen Ort: Dasselbe Motiv, einmal mit 800 mm über die Schlucht hinweg, einmal mit 200 mm auf Armlänge. Wenn die Vögel im goldenen Abendlicht vor ihren Höhlen stehen, ist die eigentliche Schwierigkeit nicht die Distanz, sondern die Auswahl.
Die Basstölpel von Rundebranden
Runde ist mehr als Papageitaucher: An der Westseite brüten Basstölpel in einer dicht gepackten Kolonie an der Steilwand, dazu Dreizehenmöwen, Tordalke, Krähenscharben und Skuas, die über den Hängen patrouillieren. Vom Boot aus zeigt sich das ganze Spektakel von unten — die weiße Wand aus Vögeln, das ständige Kommen und Gehen, und mit etwas Glück ein Tölpel, der direkt neben dem Boot startet.
Und weil das Wetter an dieser Küste im Stundentakt wechselt, gab es zum Abschluss noch das Postkartenmotiv gratis: Regenbogen über den Klippen, spätabends, als die Sonne noch einmal unter die Wolken rutschte.
Die Technik: drei Teles für einen Felsen
Runde war 2024 ein Drei-Objektiv-Ausflug an der Canon EOS R5: das RF 100-500 mm als Arbeitstier für Flugbilder und die Kolonie vom Boot, das leichte RF 800 mm f/11 für die Motive jenseits der Schlucht — und, überraschend oft, das RF 70-200 mm f/2.8, weil die Papageitaucher schlicht zu nah für alles andere waren. Für die Anflüge: 1/6400 s bis 1/8000 s, denn ein Papageitaucher schlägt bis zu 400-mal pro Minute mit den Flügeln, und im Dämmerlicht darf die ISO dafür auch mal fünfstellig werden — Rauschen lässt sich entfernen, Bewegungsunschärfe nicht. Die Leica M11-P hatte derweil den Regenbogen. Und wie immer wanderten die vollen Karten abends durch RAWFetcher — die 87 Bilder dieses Albums sind der Rest von vier langen Abenden am Felsen.
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