Blog · Reisebericht

Buckelwale, Weißkopfseeadler, Milchstraße – Atlantik-Kanada

August 2023, drei Wochen Ostkanada: vom St.-Lorenz-Strom bis in die Atlantikprovinzen. Auf dem Programm standen Buckelwale vor der Küste, Weißkopfseeadler an ockerfarbenen Klippen, Eistaucher auf stillen Seen — und Nächte, die dunkel genug für die Milchstraße waren. Der Reisebericht zur ältesten Etappe unserer Kanada-Serie.

Buckelwal-Fluke mit ablaufendem Wasser vor blauem Atlantik
Abtauchender Buckelwal im Atlantik — Canon EOS R5, RF 100-500 mm bei 500 mm, 1/2000 s, f/7.1, ISO 1000.

Auf dem Wasser: Wale, Robben, Papageitaucher

Die Waltouren im Osten sind anders als im Pazifik: kälteres Wasser, weiter Horizont, und zwischen den großen Buckelwalen tauchen immer wieder kleinere Überraschungen auf — Kegelrobben, die neugierig das Boot mustern, und schwimmende Papageitaucher, die sich mit vollem Schnabel auf dem Wasser treiben lassen. Für die Fluken gilt das bewährte Rezept: Kamera oben behalten, denn zwischen Blas und Abtauchen liegen nur wenige Atemzüge.

Kegelrobbe liegt entspannt auf einem Felsen im Wasser
Banane am Fels: Kegelrobbe bei Niedrigwasser — 500 mm, 1/1250 s, ISO 800.
Papageitaucher schwimmt auf dem Atlantik und blickt zur Kamera
Ein Jahr vor Runde: erster Papageitaucher-Kontakt, schwimmend statt am Fels — 500 mm, 1/3200 s, ISO 640.

Die Adler von der Ockerwand

Der Wildlife-Höhepunkt der Reise kam per Boot entlang einer Steilküste aus rostrotem Sedimentgestein: Weißkopfseeadler, die auf den Simsen sitzen wie auf Balkonen — und die beim Abflug direkt an der Wand entlangziehen. Vor dem strukturierten Ocker wirken die weißen Köpfe wie ausgeleuchtet; die hohen ISO-Werte übernahm die Dämmerung, den Rest die Serienbildfunktion.

Weißkopfseeadler sitzt auf einem Sims aus ockerfarbenem Gestein
Logenplatz in der Ockerwand — 500 mm, 1/800 s, ISO 800.
Weißkopfseeadler fliegt mit hochgestellten Flügeln dicht an der Felswand entlang
Abflug an der Wand — 500 mm, 1/4000 s, ISO 8000. Rauschen ist verhandelbar, der Moment nicht.

Stille Seen, dunkle Nächte

Das Kontrastprogramm zu den Bootstagen lieferten die Seen im Landesinneren: Eistaucher, deren Rufe abends über das Wasser tragen — das vielleicht kanadischste Geräusch überhaupt. Und wenn die Sonne weg war, blieb der Himmel: weit weg von den Städten ist es dunkel genug, dass die Milchstraße mit bloßem Auge steht und die Kamera nur noch draufhalten muss.

Eistaucher mit Spiegelung auf einem stillen See
Eistaucher am stillen Abendsee — 500 mm, 1/800 s, ISO 250.
Milchstraße über Baumsilhouetten am dunklen Nachthimmel
Milchstraße über den Wipfeln — 15 mm, 25 s, f/2.5, ISO 6400.

Und weil der Weg in die Atlantikprovinzen über Québec führte, gab es auch ein klassisches Postkartenmotiv: die Montmorency-Fälle, 83 Meter hoch — mit Regenbogen im Gischtfuß.

Montmorency-Wasserfall mit Hängebrücke und Regenbogen in der Gischt
Montmorency-Fälle bei Québec — RF 28-70 mm f/2 bei 28 mm, 1/250 s, f/13.

Zum Schluss: Street-Art in Montreal

Den Abschluss der Reise machte ein Abend in Montreal — und der gehörte nicht den Vögeln, sondern den Wänden: Das Plateau Mont-Royal ist eine einzige Open-Air-Galerie, an jeder zweiten Ecke ein Mural in Hausgröße. Und zum Kontrast dann Beton: der schiefe Turm des Olympiastadions von 1976, in Schwarzweiß fast schon Skulptur.

Hausgroßes Street-Art-Mural an einer Straßenecke im Plateau Mont-Royal, Montreal
Open-Air-Galerie Plateau Mont-Royal — RF 28-70 mm bei 45 mm.
Der geneigte Turm des Olympiastadions Montreal in Schwarzweiß von unten
Der mit 165 Metern höchste geneigte Turm der Welt: Olympiastadion Montreal — RF 70-200 mm bei 70 mm, in Schwarzweiß.

Die Technik: ein Zoom für (fast) alles

2023 war die Ausrüstung noch kompakter als auf den späteren Reisen: die Canon EOS R5 mit dem RF 100-500 mm als Universal-Tele (bei Bedarf mit 1.4x-Extender), dazu RF 28-70 mm f/2 und RF 70-200 mm f/2.8 für Landschaft und Stadt sowie ein manuelles 15-mm-Weitwinkel für den Nachthimmel. Die Abendroutine war dieselbe wie auf allen Reisen seither: Karte in den Mac, den Tag sichten, Keeper sichern — heute erledigt RAWFetcher diesen Schritt direkt von der Karte. Die 54 Bilder dieses Albums sind das, was von drei Wochen übrig bleiben durfte.

Mehr Praxisberichte

Wie es weiterging: Papageitaucher auf Runde, Pottwale auf den Azoren, Grizzlys in British Columbia — alle Reiseberichte im Blog.